Kurz gesagt

Es kommt darauf an, welche Mails. In das Dokumentenmanagement gehören die Mails, die einen Vorgang belegen, also Bestellungen, Zusagen, Reklamationen, Vertragsänderungen. Sie werden mit ihren Anhängen der passenden Akte zugeordnet, am besten direkt aus dem Mailprogramm mit einem Klick. Alles andere bleibt im Postfach und unterliegt dessen Löschregeln.

Warum das Postfach kein Archiv ist

Ein Postfach gehört einer Person. Die Vertretung kommt nicht hinein, nach dem Austritt wird es gelöscht, und die Suche darin kennt keine Akten. Trotzdem liegt dort in vielen Unternehmen der größte Teil der geschäftlichen Korrespondenz. Der Kunde bestätigt per Mail, der Lieferant schickt die geänderte Zeichnung als Anhang, die Rechtsabteilung antwortet in einer Kette mit zwölf Antworten.

Die Alternative, jede Mail zu archivieren, löst das Problem nur scheinbar. Ein vollständiges Mailarchiv hilft bei der Aufbewahrung, ersetzt aber keine geordnete Ablage: Niemand findet darin den einen Vorgang, und persönliche Nachrichten landen in einem System, in das sie nicht gehören.

Was in die Akte gehört

Eine einfache Regel trägt weit. Eine Mail wird abgelegt, wenn sie etwas belegt, das das Unternehmen später nachweisen muss: eine Zusage, eine Frist, eine Abweichung, eine Freigabe. Reine Terminabstimmungen, Verteilermails und interne Rückfragen bleiben draußen.

Dabei sind drei Entscheidungen zu treffen:

  1. Was ist das Dokument? Die Mail selbst, der Anhang oder beides. Ein unterschriebener Vertrag im Anhang ist das Dokument, die Mail dazu ist der Beleg für den Zeitpunkt des Eingangs. Beides zusammen in die Akte, als getrennte Einträge mit Verknüpfung.
  2. Wohin gehört sie? Zur Kundenakte, zum Projekt, zur Rechnung. Die Zuordnung geschieht über Vorgangsnummer im Betreff, über den Absender oder über ein Formular beim Ablegen. Die Metadaten der Mail, also Absender, Datum und Betreff, kommen automatisch mit.
  3. Wer legt ab? Der Empfänger, zum Zeitpunkt der Bearbeitung. Eine Ablage am Ende des Quartals funktioniert in der Praxis nicht.

Bei Mailketten ist Vorsicht angebracht. Die letzte Mail zitiert den Verlauf, trägt aber die Kopfzeilen und Anhänge der früheren Nachrichten nicht mehr. Aufbewahrungspflichtige Nachrichten werden deshalb einzeln abgelegt, mit ihren Anhängen. Doppelte Ablage verhindert das System über Erkennung gleicher Nachrichten.

Wie es technisch geht

Jedes ernstzunehmende Dokumentenmanagement bietet eine Anbindung an Outlook oder den Browser. Eine Mail wird per Klick abgelegt, das System schlägt die Akte vor und übernimmt die Metadaten. Mit KI wird dieser Vorschlag besser. Das System erkennt am Inhalt, zu welchem Vorgang die Mail gehört, und ob sie überhaupt relevant ist. Die Entscheidung bleibt beim Sachbearbeiter, der Aufwand sinkt auf einen Klick.

Mails werden im Originalformat mit Kopfzeilen abgelegt. Ein PDF-Ausdruck zeigt Absender und Datum zwar an, die technischen Kopfzeilen, die Struktur und die Anhänge bewahrt er nicht zuverlässig, und damit fehlt im Streitfall der Nachweis.

Wie die Angaben zustande kommen, mit denen eine Mail später gefunden wird, steht in Dokumentenmanagement beginnt vor dem Ablegen.