Ein Agent mit Zugriff auf das Dokumentenmanagement weiß damit noch nicht, wie im Haus eine Eingangsrechnung oder ein Vertrag behandelt wird. Für dieses Vorgehenswissen gibt es mit Agent Skills ein offenes Format, und es gehört seit vergangener Woche einer neutralen Stiftung.
Anthropic hat am 22. Oktober 2026 den Standard Agent Skills an die Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation übergeben. Dort liegt seit Dezember 2025 bereits das Model Context Protocol. Nach Angaben von Anthropic haben seit der Veröffentlichung des Standards im Dezember 2025 mehr als 70 Agentenplattformen das Format übernommen, darunter ChatGPT, Cursor, GitHub Copilot und VS Code. Gepflegt wird der Standard künftig von Entwicklern mehrerer Unternehmen. Auf der Agenda stehen versionierte Releases, ein geregeltes Verfahren für Änderungsvorschläge und Sicherheitshinweise für alle, die Skills schreiben oder installieren.
Was ein Skill ist
Ein Skill ist ein Verzeichnis mit einer Datei namens SKILL.md. Darin steht in Klartext, wie ein Agent eine bestimmte Aufgabe erledigt und welche Regeln dabei gelten. Dazu können Skripte und Referenzmaterial kommen. Der Agent lädt einen Skill, wenn die Aufgabe danach verlangt.
Die Arbeitsteilung mit MCP ist einfach. MCP regelt, wie ein Agent an Systeme und Daten kommt. Ein Skill beschreibt, wie er mit dem Gefundenen eine Aufgabe ordentlich abschließt. Im ECM liefert die Schnittstelle zum Archiv Dokumente und Metadaten. Der Skill legt fest, nach welchem Aktenplan abgelegt wird, welche Dokumentart welche Pflichtangaben braucht und an welcher Stelle ein Mensch freigibt.
Ein altes Thema in neuer Form
Dieses Wissen hat es in jedem Unternehmen gegeben. In den Archiv- und DMS-Projekten der 1990er stand es in Organisationshandbüchern, Ablageplänen und Arbeitsanweisungen, später wanderte ein Teil davon in Workflow-Definitionen. Das Muster war in vielen Projekten ähnlich. Die Handbücher wurden zur Einführung sorgfältig geschrieben und danach selten gepflegt, und die gelebte Praxis wich still davon ab.
Mit Skills wird dieses Handbuch ausführbar. Ein veralteter Absatz in einer Arbeitsanweisung blieb früher oft folgenlos, weil die Mitarbeiter es besser wussten. Einen veralteten Absatz in einem Skill führt der Agent aus. Prozesswissen wird damit wieder etwas, das man ordentlich aufschreiben und mit Version und Freigabe pflegen muss.
In meinem eigenen Obsidian-Vault arbeite ich mit eigenen Skills für wiederkehrende Aufgaben. Den größten Teil der Arbeit machen dabei die Korrekturen an den Regeln, wenn ein Ergebnis nicht passt. Die Technik selbst ist nach einem Nachmittag eingerichtet.
Skills gehören ins Dokumentenmanagement
Wenn Skills das Vorgehen eines Unternehmens beschreiben, sind sie Organisationsdokumente. Sie brauchen einen Verantwortlichen und eine Versionsgeschichte, und ein Agent sollte erst nach einer Freigabe danach arbeiten. Sie brauchen auch Berechtigungen. Ein Skill für die Personalabteilung enthält Regeln, die nicht jeder lesen oder ändern soll.
Dazu kommt die Sicherheit. Ein Skill kann Skripte enthalten, und der Agent folgt den Anweisungen darin. Wer einen Skill aus einer fremden Quelle übernimmt, sollte ihn deshalb so prüfen wie eine neue Software. Dass die Stiftung Sicherheitshinweise auf die Agenda gesetzt hat, ist folgerichtig.
Mit MCP und Agent Skills liegen jetzt Zugang und Vorgehen bei derselben neutralen Stiftung. Unternehmen mit gepflegten Aktenplänen und Arbeitsanweisungen haben damit einen Vorsprung, solange sie ihre Skills so sorgfältig behandeln wie den Dokumentenbestand selbst.